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GemeinsamEinzigartig in Action!

GemeinsamEinzigartig ist nicht nur eine Idee in unseren Köpfen; wir wollten von Anfang an in Schulen einen Mehrwert leisten und testeten unser Projekt bereits in der ersten Woche - mit großem Erfolg und vielen Erkenntnissen, die uns bei der weiteren Entwicklung helfen. Wie genau die Stunde ablief berichtet unser Teammitglied Florian, Lehrer in Yokohama, hier:


Das Team von GemeinsamEinzigartig organisierte in der #WirFuerSchule Hackathonwoche am 11. Juni 2020 einen Testworkshop an der Deutschen Schule Tokyo Yokohama (DSTY, eine der circa 150 offiziellen deutschen Auslandsschulen). In der 9. Klasse der Schule haben wir mit Expertin Kati einen Workshop zum Thema Sexuelle Orientierung und Genderidentität gehalten.


Wer hat uns unterstützt?

Kati Radloff, Expertin und Vorbild im Bereich LGBTI und baldige Lehrkraft an der DSTY, wurde der Klasse per Video zugeschaltet. Knapp 9.000 Kilometer trennen Berlin von Tokio und dennoch war ein intensiver Austausch zwischen Kati und ihren zukünftigen Schüler*innen schon jetzt möglich. Vor Ort in Japan waren neben den 9 Schüler*innen auch die Deutschlehrerin Daniela Braune, die selbst als Diversity-Verfechterin ihre Unterrichtsstunde zur Verfügung stellte, sowie GemeinsamEinzigartig-Mitglied und Lehrer Florian Dietzel.


Wie hat das Ganze funktioniert?

In der Unterrichtsstunde der 9. Klasse wurde Kati per Video zugeschaltet, Daniela Braune und Florian Dietzel haben vor Ort assistiert. Neben dem direkten Austausch mit Kati wurden mit den Schüler*innen auch kurze Videos angeschaut und besprochen. Die Videos handelten zum Beispiel von einem Transmann und einer Outinggeschichte. Die Buchstaben LGBTI* wurden somit anhand von persönlichen Videogeschichten erklärt. Es ist wichtig, diese Begrifflichkeiten zu erklären, damit Schüler*innen zum einen von den verschiedenen Identitäten erfahren, die Begriffe aber auch selbst richtig in ihren Gesprächen anwenden können.

Die Dauer des Workshops betrug 30 Minuten, jedoch ist das Format auch für 90-minütige Sessions umsetzbar und würden eine noch tiefere Behandlung der Themen ermöglichen.



Wie haben die Schüler*innen reagiert?

Die Schüler*innen waren am Anfang sehr verblüfft, dass sich ein externer Coach in das Unterrichtsgeschehen eingeschaltet hat und aus der Ferne den Unterricht schmeißt. Als Kati meinte, dass man “Herr” oder “Frau” sagen kann, waren die Schüler*innen erst etwas irritiert. Aber man merkte eine gewisse Offenheit und eine Neugier. Nach ein paar Minuten Beschnupperung wurde die Stimmung besser und die Schüler*innen lauschten gespannt den Erklärungen von Kati. Während der kurzen Session blieb kaum Raum für persönliche Fragen, aber nach der Session haben die Schüler*innen fleißig untereinander die Themen besprochen. Sie haben auch eine Genderbread Person mit nach Hause bekommen (https://webaffair.net/genderbread/) und konnten die vier Kategorien für sich selbst bestimmen.

Schülerin Lisa sagt:

“Man hat vieles besprochen, was man im normalen Unterricht nicht bespricht”.

Auch in anderen Bereichen, findet sie, könnten solche Sessions zu Diskussionen beitragen und das Wissen der Schüler*innen erweitern.


Was sagen die Expert*innen und Lehrkräfte?

Kati Radloff berichtet, dass sie von Anfang an von der Idee ziemlich angetan war. Mit dieser Idee können die Vorbilder nicht nur in Person in den Unterricht eingeladen werden; auch eine digitale Umsetzung ist möglich, was neben der Wissensvermittlung mehr Barrierefreiheit bedeutet.

“Denken wir uns zum Beispiel, dass Expert*innen aus unterschiedlichen Gründen nicht mobil sind”.

Hier sieht sie zum Beispiel Bewegungseinschränkungen, eine Corona-Quarantäne, die räumliche Distanz oder auch die zeitliche Verfügbarkeit.

“Da wäre es natürlich toll, wenn wir theoretisch sogar weltweit einen verfügbaren Pool an Expert*innen hätten, die in verschiedenen Sprachen zu verschiedenen Themen zugeschaltet werden können”.

Auch Lehrerin Daniela Braune sieht für sich und die Schule große Vorteile :

“Für mich als Lehrkraft ist es wichtig, dass das Wissen, das an der Schule vermittelt wird, nicht beschränkt ist auf den Erfahrungshorizont der Personen, die an den Schulen unterrichten. Es gibt so viele interessante Persönlichkeiten auf der Welt, so viele Erfahrungen, so viele Expert*innen zu den verschiedensten Themen, die einfach nicht abgedeckt werden können durch die handvoll von Lehrkräften, die zufällig an einer gegebenen Schule arbeiten. Und deshalb empfinde ich es als besonders wichtig, dass diese Expert*innen in den Unterricht geholt werden können.”

Unser Fazit?

Knapp 9.000 Kilometer trennen Berlin von Tokio, und dennoch war ein intensiver Austausch zwischen Kati und ihren zukünftigen Schüler*innen schon jetzt möglich.

Klar ist: DSTY ist technisch gut ausgestattet. Damit unsere Idee, Expert*innen und Vorbilder auch digital in den Unterricht integrieren zu können, funktioniert, müssen die Schulen in Deutschland noch einiges an IT-Aufrüstung angehen. Gelder aus dem Digitalpakt sind vorhanden und müssen dringend abgerufen werden.


Wir sind stolz darauf, dass wir die Idee schnell umsetzen konnten und sie bei allen Beteiligten so gut angekommen ist. Als Team von GemeinsamEinzigartig werden wir weiterhin mit ganzer Kraft daran arbeiten, unser Projekt in der Praxis umzusetzen und für alle Seiten tolle Begegnungen zu schaffen.


Bericht von Florian Dietzel, Teammitglied und Lehrer an der Deutschen Schule Tokyo Yokohama

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