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SPIELERISCH VIELFALT KENNENLERNEN MIT SIBEL’S JOURNEY

Wie kann man Vielfalt spielerisch in den Unterricht einbinden? Darüber haben wir mit dem Team von Food For Thought gesprochen, die Sibel’s Journey entwickelt haben - ein Computerspiel über Geschlecht, Sexualität, Körper und eigene Grenzen!




Könntest du Sibel’s Journey einmal kurz vorstellen?

Sibel’s Journey ist ein Computerspiel, in dem es um Geschlecht, Sexualität, Körper und eigene Grenzen geht. Die 13 jährige Sibel will ihre beste Freundin in Berlin mit einem Besuch überraschen. Auf der Suche nach ihr trifft Sibel verschiedene Menschen, durch die sie vielfältige Lebensweisen kennenlernt. 


Was hat euch als Team zusammengebracht und dazu motiviert, das Kollektiv Food For Thought zu gründen?

Wir wollten von Anfang an ein Serious Game entwickeln für Kinder und Jugendliche. Thematisch wollten wir die Jugendlichen mit fundiertem Wissen und positiven Einstellungen zu den Themen Sexualität, Geschlecht und Körper ausstatten. Da das Vorhaben schnell auf offene Ohren traf, hatten wir schnell ein Team aus erfahrenen und eingespielten Akteurinnen der Berliner Games-Branche zusammen, die sich das Ziel gesetzt haben, gemeinsam Computerspiele über LGBTQ+, Gender, Identität und Sexualität zu entwickeln. Dabei sind die Vielfalt und die unterschiedlichen Hintergründe jede*r Einzelnen ein wichtiger Baustein für das Gelingen der gemeinsamen Arbeit im Team und der Spiele. Unser Team besteht hauptsächlich aus Frauen, trans Personen, Queers, Migrantinnen und Müttern von Teenagern!


Nach welchen Kriterien habt ihr Sibel und die anderen Charaktere zusammengestellt?

Wir möchten die Welt so vielfältig darstellen, wie sie ist. Auch unsere eigenen Erfahrungen als Frauen, trans Personen oder Personen, die queer leben, als People of Color und als Mütter sind in die Gestaltung der Figuren eingeflossen. Es ist einfach sehr wichtig auch Charaktere zu schaffen, die der Realität sehr nahekommen. Nur so, finden wir, kann es gelingen, dass die Jugendlichen sich auch mit den Charakteren identifizieren können. Wenn sie sich selbst in den Figuren wiederfinden, haben wir eins unserer Ziele erreicht.


Wie seht ihr Vielfalt in der Schule jetzt?

Die Vielfalt der Schüler in den Schulen ist sehr groß und stark. Jedoch wird im Unterricht auf diese, aus den unterschiedlichsten Gründen, zu wenig eingegangen. Vor allem Kinder und Jugendliche benötigen jedoch Unterstützung, Austausch und reflektierten Umgang. Oftmals werden „sensible“ Themen im Unterricht nicht oder unzureichend besprochen und die Schüler so ein wenig sich selbst überlassen. Wenn dann auch zu Hause bestimmte Thematiken bewusst ausgelassen werden, liegt es nahe, dass es vor allem auch in der Schule weiterhin Intoleranz, Mobbing oder Gewalt zwischen den Kindern und Jugendlichen geben wird.


Bei Sibel geht es um verschiedene Vielfalts-Themen und Identitätsfindung. Was wollt ihr zu dem Thema mit Sibels Geschichten in Schulen und bei Schüler*innen erreichen?

Wir möchten einen spielerischen und intersektionalen Zugang zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt ermöglichen, über den die Jugendlichen sich mit dieser Vielfalt, sowie sich selbst und eigenen Wünschen und Grenzen auseinandersetzen können. Es geht außerdem um Austausch untereinander und die Möglichkeit auch die Mitschüler besser verstehen zu lernen oder einfach nur offener anderen Menschen gegenüber zu sein.


Wie tretet ihr an Schulen bzw. Jugendliche heran?

Zum Einen wird sich jeder das Spiel käuflich erwerben können. Zum Anderen, wollen wir Sibel’s Journey vor allem auch direkt an die Schulen bringen. Und dies soll kostenfrei sein. Dazu suchen wir momentan nach Organisationen, die uns dabei unterstützen und unser Spiel in bestehende Workshopkonzepte integrieren oder gemeinsam mit uns ein passendes Konzept erarbeiten. Mit queerformat, andersARTiG oder dem Bundesverband Digitale Bildung haben wir schon tolle Partner gefunden. Mit unseren Partnern gehen wir dann in die Schulen und führen diese durch. Dazu wird es Ende Oktober eine Crowdfunding Kampagne geben, um Sibel’s Journey auch noch auf Englisch, Arabisch und Türkisch zu erstellen und die Kosten denken können, um es für die Schüler kostenfrei anbieten zu können.


Wie wichtig findet ihr die Rolle von Spielen wie Sibel’s Journey oder auch externen Expert*innen, die in den Unterricht eingebunden werden können und dann zusätzlich zu den Lehrer*innen mit Schüler*innen sprechen?

Es ist unseres Erachtens pädagogisch wertvoll, schwierig und schambesetzte Themen mit anderen, dafür geschulten Personen, als den Lehrkräften zu besprechen. So entsteht eine offenere Atmosphäre als im Unterricht. Lehrer*innen oder Eltern gegenüber bestehen oftmals Hemmungen frei und offen zu sprechen. Vor allem, wenn man mittels des Workshops einen geschützten Raum schafft, kann das helfen die Kinder und Jugendlichen zu ermutigen, ehrlich und frei zu sprechen. Jedoch sehen wir auch die Chance, es in den Lehrplan aufzunehmen und über die Lehrer*innen selbst durchführen zu lassen. Jedoch sollten diese dann auch dazu geschult werden. Da jede Episode des Spiels eigene Zielstellungen hat, entwickeln wir auch Guidelines, die dann auch wiederum von unseren Partnerorganisationen in Weiterbildungen für pädagogische Kräfte weitergegeben werden.


Website: foodforthought.media

Facebook: @foodforthoughtmedia

Instagram: @sibels_journey

Twitter: @Sibelsjourney





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